Copilot powered by Claude?
Microsoft hat Anthropic als Subprozessor in seine Online-Dienste aufgenommen. Damit lassen sich die Claude-Modelle innerhalb von Microsoft 365 nutzen – in Word, Excel und PowerPoint, im Researcher, in Copilot Studio und auf der Power Platform. Die Modelle waren zwar bereits seit Ende März verfügbar; neu ist aber, dass nun Microsofts Product Terms und der Microsoft DPA gelten statt der separaten Anthropic-Bedingungen.
Anthropic als Datenunterverarbeiter
Damit ein fremdes KI-Modell innerhalb der Microsoft-Welt betrieben werden kann, musste Anthropic den Status eines Subprozessors einnehmen: Anthropic verarbeitet Daten im Auftrag und unter Aufsicht von Microsoft, eingebettet in dessen vertragliches Rahmenwerk. Die bisherige Variante, die Modelle unter Anthropics eigenen Bedingungen zu aktivieren, wurde gestrichen: Dieser unabhängige Verarbeitungsweg wurde per 1. Mai 2026 endgültig stillgelegt. Falls in Ihrem Tenant Claude zuvor unter den separaten Anthropic-Bedingungen freigeschaltet wurde, ist dieser nun deaktiviert – die alte Freigabe gilt nicht als Zustimmung zum neuen Subprozessor-Modell und muss über den neuen Schalter im Admin Center erneut aktiv gesetzt werden. In der Praxis heisst das: Die Nutzung bewegt sich rechtlich im selben Rahmen wie die übrigen Microsoft-365-Dienste, einschliesslich der bekannten Enterprise-Datenschutzzusagen.
Der entscheidende Punkt für die DACH-Region: EU-Datenraum
Hier wird es für Schulen im deutschsprachigen Raum relevant. Microsoft hält ausdrücklich fest, dass die eingesetzten Anthropic-Modelle derzeit vom EU-Datenraum (EU Data Boundary) ausgenommen sind – und, soweit anwendbar, auch von Zusagen zur Verarbeitung innerhalb eines bestimmten Landes. Massgebend ist dabei nicht die EU-Mitgliedschaft, sondern die Zugehörigkeit zu EU, EFTA oder UK – und die Schweiz ist als EFTA-Mitglied ausdrücklich eingeschlossen. Für Schweizer Schulen gilt also exakt dieselbe Ausgangslage wie für Tenants in der EU, nicht nur eine sinngemäss ähnliche. Entsprechend sind die Modelle standardmässig deaktiviert: Die Tenant-Administration muss sie bewusst freischalten. Das ist kein Zufall, sondern spiegelt wider, dass die Verarbeitung ausserhalb des EU-Datenraums datenschutzrechtlich nicht trivial ist – gerade im schulischen Kontext, in dem regelmässig Daten von Minderjährigen verarbeitet werden.
Warum das mehr als eine Detailfrage ist
Solange ausschliesslich Microsofts eigene Modelle im Spiel sind, bewegt sich die Verarbeitung in einem für viele Schulen bereits geprüften und vertraglich abgesicherten Rahmen. Mit der Aktivierung eines fremden Modells, das ausserhalb des EU-Datenraums verarbeitet wird, verändert sich dieser Rahmen – auch wenn die Oberfläche vertraut bleibt und die Nutzung vertraglich durch Microsoft abgedeckt ist. Die Verfügbarkeit eines zusätzlichen Modells ist deshalb nicht automatisch eine Empfehlung, es einzusetzen. Wer es aktiviert, sollte vorab klären, ob die Verarbeitung ausserhalb des EU-Datenraums mit den Datenschutzvorgaben von Gemeinde und Kanton vereinbar ist.
Ob dieser Schalter bei der eigenen Schule überhaupt aktiviert ist, lässt sich nicht auf Ebene der Schulleitung feststellen, sondern nur über die Tenant-Administration – in der Regel die ICT-Fachstelle der Trägerschaft (Gemeinde, Schulverband oder Kanton). Der Status findet sich im Microsoft 365 Admin Center unter Einstellungen > Copilot > „AI providers operating as Microsoft subprocessors“, wo Anthropic als Subprozessor aktiviert, deaktiviert oder auf einzelne Nutzergruppen eingeschränkt werden kann. Für die rechtliche Einordnung braucht es zusätzlich die aktuellen Vertragsdokumente (Microsoft Product Terms, Data Protection Addendum), die über den Microsoft-Lizenzpartner der Schule erhältlich sind, sowie – gerade weil Daten von Minderjährigen betroffen sind – eine Einschätzung der kantonalen Datenschutzaufsicht, im Idealfall im Rahmen einer Datenschutz-Folgenabschätzung vor der Freischaltung.
Ergänzend zu beachten: Die Modellauswahl ist Teil der kostenpflichtigen Copilot-Lizenz und an die lizenzierten Erlebnisse gebunden. Im kostenlosen Copilot Chat (Basic) steht sie nicht zur Verfügung – für Schulen ohne Copilot-Add-on ändert sich also vorerst wenig. Das ist eine reine Lizenzfrage und getrennt von einer zweiten, bislang offenen Frage zu behandeln: Microsoft dokumentiert öffentlich nicht ausdrücklich, ob Bildungs-Tenants (EDU) denselben Standardstatus erhalten wie kommerzielle Tenants. Auch mit bezahltem Copilot-Add-on lässt sich der Aktivierungsstatus für den eigenen Schul-Tenant deshalb nicht pauschal annehmen, sondern muss im Einzelfall geprüft werden.
Unsere Einschätzung
Die Aufnahme von Anthropic als Microsoft-Subprozessor ist technisch ein Schritt in Richtung Modellvielfalt. Für Kunden in der Schweiz ist sie vor allem eine Erinnerung daran, dass „innerhalb von Microsoft 365″ nicht automatisch „innerhalb des EU-Datenraums“ bedeutet. Die standardmässige Deaktivierung ist insofern weniger eine Einschränkung als ein bewusster Schutzmechanismus, der die Entscheidung dorthin verlagert, wo sie hingehört: in die Verantwortung der Schule. Die naheliegende erste Frage ist daher nicht, welches Modell das leistungsfähigste ist, sondern welcher Verarbeitungsweg für die eigene Einrichtung verantwortbar bleibt.

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