Rechercheauftrag mit Suchfortschritt in Teams

In der 3. Oberstufe im Kanton St. Gallen ist die Projektarbeit ein wichtiger Meilenstein. Gleichzeitig stehen Lehrpersonen heute vor neuen Herausforderungen: KI‑Tools erleichtern das Schreiben enorm, erschweren aber die Kontrolle der Eigenleistung. Zudem übernehmen viele Schüler*innen Informationen ungeprüft, berufen sich auf Falschquellen oder hinterfragen weder Herkunft noch Qualität ihrer Inhalte. Die eigentliche Recherche, also der Weg zur Information, bleibt dabei oft unsichtbar.

Genau hier setzt das neue Tool Recherche‑Coach mit Suchfortschritt in Microsoft Teams an. Es verlagert den Fokus weg vom reinen Endprodukt hin zum Rechercheprozess selbst. Schüler*innen lernen gezielt zu suchen, Quellen bewusst auszuwählen und ihre Entscheidungen zu reflektieren. Lehrpersonen erhalten gleichzeitig Einblick, wie recherchiert wird – nicht um zu kontrollieren, sondern um kompetenzorientiert zu begleiten. Damit wird Projektarbeit wieder zu dem, was sie sein soll: ein Lernprozess, der Denken, Hinterfragen und Eigenständigkeit fördert.

Worum geht es bei der neuen Microsoft-Education-Funktion?

Informationskompetenz ist eine Schlüsselqualifikation im digitalen Zeitalter, besonders im Umgang mit Suchmaschinen und KI‑gestützten Antworten. Microsoft reagiert darauf mit neuen Funktionen in Microsoft Teams for Education, konkret mit dem Recherche‑Coach und Suchfortschritt. Diese Tools unterstützen Lernende dabei, gezielt zu suchen, Suchanfragen zu verbessern und Quellen kritisch zu bewerten. Gleichzeitig erhalten Lehrkräfte transparente Einblicke in den Rechercheprozess der Lernenden. Besonders im Kontext von KI wird es immer wichtiger, Suchprozesse sichtbar und reflektierbar zu machen. Ziel ist es, Suchkompetenz systematisch zu fördern und sie nicht dem Zufall zu überlassen.

Eine Lehrperson gibt in Microsoft Teams einen Rechercheauftrag zum Thema „Erneuerbare Energien in Europa“ auf. Der Auftrag wird mit Suchfortschritt erstellt, wodurch der Recherche‑Coach direkt in die Aufgabe integriert ist.

Die Lehrperson kann beim Erstellen in Microsoft Teams einige Einstellen festlegen:

Quelle:

Die Mindestanzahl gespeicherter Quellen (z. B. „mindestens 5 Quellen“) kann angepasst werden.

Die Einstellung „Berücksichtigen“ sorgt dafür, dass:

  • der Rechercheprozess sichtbar und bewertbar wird
  • Quellenkritik ernst genommen wird
  • KI‑Nutzung pädagogisch eingeordnet werden kann
  • „Projektarbeiten“ wieder fairer und lernwirksamer werden

Meine Empfehlung:
Für „Projektarbeiten“ immer aktivieren, selbst wenn der Rechercheanteil nur teilweise in die Note einfliesst.

Das Tool „Zitate“ sorgt dafür, dass:

  • korrektes Zitieren nicht dem Zufall überlassen wird
  • KI‑Texte nicht unreflektiert übernommen werden
  • Eigenleistung sichtbar bleibt

Das Tool unterstützt Schüler*innen dabei,

  • Zitate korrekt aus Quellen zu übernehmen
  • Quelle, Titel und Herkunft nicht zu vergessen
  • zu verstehen, was zitiert werden muss und was nicht

Viele formale Fehler in „Projektarbeiten“ entstehen nicht aus Absicht, sondern aus Unsicherheit, hier hilft diese Einstellung.

Das Tool „Quellzuverlässigkeit“ hilft, weil es:

  • unkritisches Übernehmen von Informationen verhindert
  • Falschinformationen sichtbar macht
  • den Umgang mit KI reflektiert
  • Quellenkritik strukturiert vermittelt

Schüler*innen werden angeleitet, jede Quelle aktiv zu beurteilen, statt sie einfach zu speichern.

Dabei geht es nicht um „richtig oder falsch“, sondern um Fragen wie:

  • Wer steckt hinter dieser Quelle?
  • Zu welchem Zweck wurde sie veröffentlicht?
  • Ist sie sachlich, aktuell und nachvollziehbar?

Vielleicht hilft es, das Schüler*innen ihre gefundenen Informationen nicht mehr unbewusst übernehmen, sondern bewusst auswählen.

Das Tool „Gegenprüfung“ hilft, weil es:

  • blindes Übernehmen verhindert
  • KI‑Antworten relativiert
  • Falschinformationen entlarvt
  • kritisches Denken sichtbar machen

Die Lehrperson kann festlegen, dass die Gegenprüfung verbindlicher Bestandteil der Aufgabe ist und von den Schüler*innen bewusst durchgeführt werden muss. Der Umfang lässt sich steuern, indem pro Kernaussage mindestens eine zusätzliche Quelle oder gezielt eine zustimmende bzw. widersprechende Gegenquelle verlangt wird. Ergänzend können die Schülerinnen kurz reflektieren, welche Aussagen übereinstimmen, wo Widersprüche bestehen und welche Quelle sie als verlässlicher einschätzen, inklusive Begründung.

Meine Empfehlung:
Für „Projektarbeiten“ mit KI‑Bezug klar aktivieren.

Mein erstes Fazit:

Die neuen Einstellungen und Werkzeuge in Microsoft Teams bieten sehr viele sinnvolle Möglichkeiten, den Recherche‑ und Arbeitsprozess von Schüler*innen gezielt zu begleiten. Entscheidend ist dabei, diese nicht auf einmal einzusetzen, sondern den Prozess schrittweise aufzubauen. Kleinstprojekte können helfen von offenen Vorgaben hin zu klareren Anforderungen und Einschränkungen zu gelangen. Nur wenn Schülerinnen frühzeitig mit diesen Instrumenten arbeiten, können sie in der Schlussarbeit der 3. Oberstufe nachvollziehen, was von ihnen erwartet wird. Sie sollen bei Vorarbeiten Erfahrungen in Bezug auf Recherche, Quellenkritik und Reflexion sammeln.

Für unsere Projektarbeit ist der Einsatz dieser Funktionen daher naheliegend. Welche Einstellungen konkret genutzt werden, sollte bewusst gewählt und im Team abgesprochen werden. Gerade diese Absprachen sind zentral, um Transparenz und Fairness zu gewährleisten.

Persönlich sehe ich diese Neuerungen als grossen Gewinn. Wichtig ist jedoch eine klare Einordnung: Es handelt sich nicht um eine klassische Überwachungsmöglichkeit, sondern um ein pädagogisches Instrument, das Lernprozesse sichtbar macht. Während bisher viele Schulen mit externen Lösungen wie Fobizz gearbeitet haben, bietet Microsoft nun eine integrierte Lösung direkt in Teams, die stark auf Begleitung ausgerichtet ist. Damit verschiebt sich der Fokus weg vom reinen Endprodukt hin zu Kompetenzaufbau, reflektiertem Arbeiten und einem verantwortungsvollen Umgang mit KI.

Der Hintergrund der S-Ansicht kann unter Recherche-Coach anpassen eingestellt werden.

Domäneneinstellungen: Quellen bewusst eingrenzen

Über Domäneneinstellungen lernen Schüler*innen, Suchergebnisse gezielt einzugrenzen, etwa auf offizielle Institutionen, Bildungsserver oder bekannte Medienhäuser. Anstatt wahllos Webseiten zu übernehmen, wird der Blick auf Herkunft und Seriosität der Informationen gelenkt. So wird bereits im Suchprozess ein wichtiger Schritt in Richtung Quellenkritik gemacht.

Dateityp: passende Informationen finden

Die Suche nach bestimmten Dateitypen (z. B. PDF) hilft dabei, gezielt nach Studien, Berichten oder offiziellen Dokumenten zu suchen. Schüler*innen erkennen, dass unterschiedliche Fragestellungen auch unterschiedliche Quellentypen erfordern. Die Recherche gewinnt dadurch an Tiefe und Sachlichkeit.

Datumsbereich: Aktualität sicherstellen

Mit dem Datumsfilter lässt sich die Suche auf aktuelle Inhalte beschränken. Gerade bei gesellschaftlichen, politischen oder wissenschaftlichen Themen ist dies zentral, um veraltete oder überholte Informationen zu vermeiden. Schüler*innen lernen, dass Aktualität ein Qualitätsmerkmal von Information ist.

Operatoren: präziser suchen

Durch den Einsatz von Suchoperatoren (z. B. gezielte Begriffskombinationen oder Ausschlüsse) wird die Suche deutlich präziser. Der Recherche‑Coach macht sichtbar, dass Suchmaschinen nicht zufällig funktionieren, sondern gezielt gesteuert werden können. Das fördert ein technisches und zugleich kritisches Suchverständnis.

Faktenüberprüfung: Inhalte nicht ungeprüft übernehmen

Ein zentrales Element des Recherche‑Coach ist die bewusste Faktenüberprüfung. Schüler*innen werden angeleitet, Aussagen mit weiteren Quellen abzugleichen und zu prüfen, ob Informationen bestätigt, relativiert oder widersprochen werden. Damit wird dem unkritischen Übernehmen von KI‑Antworten oder Online‑Behauptungen aktiv entgegengewirkt.

Mit Blick auf „unsere“ bevorstehende Projektarbeit der 3. Oberstufe, sehe ich im Recherche‑Coach mit Suchfortschritt eine spannende neue Möglichkeit für unseren Unterricht. Vieles klingt sehr überzeugend, gleichzeitig möchte ich das Tool zuerst gemeinsam mit den Schüler*innen testen und Erfahrungen sammeln. Ziel ist es, den Fokus stärker auf den Rechercheprozess zu legen und Erwartungen frühzeitig transparent zu machen. Welche Einstellungen wir konkret nutzen, wird sich im Austausch im Team und im Verlauf der Arbeit zeigen. Rückmeldungen von Leser*innen meines Blog sind dabei ausdrücklich willkommen. Ich sehe diesen Ansatz als Chance, „Projektarbeiten“ fairer, verständlicher und zeitgemässer zu gestalten. Ich bin mir aber bewusst, dass sich der echte Mehrwert erst in der Praxis zeigen wird.